Kopenhagen als Welthauptstadt der Architektur 2023

Teil 2 des Reiseberichtes: Anstatt eines üblicherweise eher hässlichen Industriebaues, hat man in Kopenhagen eine neue Müllverbrennungsanlage gebaut, die nicht nur Strom und Fernwärme für die Stadt erzeugt, sondern die auch noch recht gut aussieht und Zusatznutzungen bietet. Man kann entweder mit einem Aufzug oder einem Lift auf das Gebäude fahren, oder auf einem speziell angelegten anspruchsvollen Weg hinauf gehen. Oben gibt es neben dem tollen Ausblick auch ein Cafe. Und wer mag, kann dann ganzjährig auf Ski herabsausen. Außerdem gibt es mit 85 Metern eine der höchsten künstlichen Kletterwände für Sportkletterer. Das Projekt war und ist nicht unumstritten, aber ich fand es toll. Warum soll eine Industrieanlage nicht Zusatznutzen aufweisen? Mehr Infos u.a. hier.    
PS: (Hier geht es zu Teil 1 des Berichtes)

2023 präsentiert sich Dänemarks Hauptstadt als UNESCO-UIA-Welthauptstadt der Architektur. Das Programm des Welthauptstadtjahres umfasst mehr als 300 Veranstaltungen von 120 offiziellen Partnern. Neben den Veranstaltungen für das Fachpublikum gibt es das ganze Jahr über spannende Events und Aktivitäten für BesucherInnen auf City-Trip.


In diesem Zusammenhang ist auch das Projekt Living Places Copenhagen am Earth Day, dem Tag der Erde (22.4.), vorgestellt worden. Der erste Prototyp, der von VELUX in Partnerschaft mit EFFEKT, Artelia und Enemærke & Petersen gebaut wurde, ist ein Partnerprojekt der UNESCO-UIA World Capital of Architecture. Die Ausstellung besteht aus sieben Prototypen – fünf offenen Pavillons und zwei fertigen Häusern in voller Größe, die unsere Sicht auf gesunde und nachhaltige Häuser zeigen. Living Places Copenhagen zeigt, wie man nachhaltig baut, indem man überdenkt, wie wir heute bauen, und fordert die Bauindustrie auf, verantwortungsvolle und nachhaltige Lösungen zu beschleunigen. Living Places hat Dänemarks niedrigsten CO2-Fußabdruck und ein erstklassiges Raumklima, was zeigt, dass wir nicht auf zukünftige Technologien warten müssen, um Häuser zu bauen, die sowohl den Menschen als auch dem Planeten zugute kommen. Nach dem C2C Prinzip ist alles nach Rückbau wiederverwertbar.

 

Architekt Bo Christiansen, der Kopenhagener Ansprechpartner der europäischen Vereinigung Guiding Achitects, führte mich zunächst durch Living Places und zeigte mir danach noch Cph Village Vesterbro, eine Studentenwohnsiedlung, die nur „auf Zeit“ angelegt ist. Auch in Kopenhagen besteht großer Bedarf an bezahlbarem Wohnraum. Auf einem Gelände der Dänischen Staatsbahn DSB wird derzeit ein neues und besonders zukunftsfähiges Gewerbe und Wohnprojekt entwickelt. Damit die Flächen bis dahin nicht lange ungenutzt bleiben, gibt es temporäre Projekte, die diese Flächen sinnvoll nutzen und auch zum Experimentieren einladen. Cph Village ist vollständig rückbaubar und kann dann an anderer Stelle wieder neu entstehen. Angelegt sind die Gebäude auf 10 Jahre + x Nutzung. Mehr bei CPH Village

Direkt nebenan hat sich aus ehemaligen einfachen Lagerhallen der Bahn der angesagter Street Food Markt Banegaarden entwickelt, der bei schönem Wetter sehr gut besucht war. Doch ich wollte noch mehr sehen 😊. Ich ging das kurze Stück bis Enghaveparken, dem Klimapark, den inzwischen Fachleute aus der ganzen Welt besuchen. 

Gewappnet für den Wolkenbruch – Tredje Natur transformieren Kopenhagener Park in ein Wasserreservoir

Mit der Neugestaltung des historischen Stadtparks Enghaveparken hat das Architekturbüro Tredje Natur (Kopenhagen) nicht nur einen wichtigen Erholungsraum revitalisiert, sondern auch ein innerstädtisches Wasserreservoir geschaffen, dass 22.600 Kubikmeter Wasser aufnehmen kann.

Denn die Klimakrise hinterlässt auch in Kopenhagen ihre Spuren: Zwischen 2010 und 2015 ist es zu fünf Starkregenereingnissen gekommen, die nach bisherigen Annahmen in dieser Heftigkeit eigentlich nur jeweils alle zehn Jahre eintreffen sollten. Der Umbau des historischen Enghaveparken ist eines von 300 Projekten, die die Stadt Kopenhagen und das kommunale Versorgungsunternehmen HOFOR in den nächsten 20 Jahren fertigstellen wollen, um die Metropole vor zukünftigen Überschwemmungen zu schützen.

Quelle und mehr Infos. Siehe auch hier und hier

Nach dem Besuch des Parks machte ich ein Experiment: Schaffe ich es mit meinen mäßigen Englischkenntnissen, ein Mietrad einer bisher nicht verwendeten Firma zu nutzen? Ich wollte das orange Rad von Donkey Republic testen. Dieser ist einer von verschiedenen Anbietern, die Räder und E-Roller in Kopenhagen anbieten. Ich installierte die App und folgte den Anweisungen. Mein Smartphone half mir, ich konnte alles in Deutsch ausführen und Paypal als Zahlungsmethode angeben. Ruck zuck war ich angemeldet und konnte das Rad entsperren. Ich wählte den Tarif Just Ride (ansonsten kann man auch Tagespass oder eine Mitgliedschaft auswählen). Die spontane Fahrt zum Hauptbahnhof dauerte knapp 15 Minuten, so dass 18,5 Dänische Kronen fällig wurden,- das sind etwa 2,45Euro und ist somit etwas günstiger als ein Bustickets. Ein Problem der offenen Systeme sah man aber auch in Kopenhagen, wie überall in Städten. Roller und Räder standen und lagen oft unglücklich rum und behinderten Fuß- und Radverkehr. Dies ist das große Manko eines ansonsten reizvollen Verleih – Systems.   

Tag 3: Bei starkem Regen hat es sich angeboten, Stadtplanung und Bau auch einmal theoretisch zu betrachten. BLOX ist Dänemarks Welt der Architektur, des Designs und der neuen Ideen. In dem großen Gebäude gibt es das Danish Architecture Center (DAC) – den Treffpunkt für Architektur, Design und Stadtkultur in Dänemark. Man kann Ausstellungen ansehen, Führungen buchen, den DAC Design Shop erkunden und im Cafe mit herrlichem Blick auf Kopenhagen entspannen. Infos bei:  https://g.co/kgs/aDMdsH
Da es extrem voll war und wieder alles nur auf Englisch zu sehen, war es leider für mich nur eingeschränkt erfolgreich. Die Filme liefen so leise, dass der Ton nicht zu verstehen war.

Bild eines begrünten Studenwohnheimes in der Ausstellung

Schöner war es beim zweiten Ziel, dem botanischen Garten, der auch bei mäßigem Wetter schön war. Die Schmetterlinge waren besonders schön anzusehen. Die Königin Louise Brücke an den Seen gilt als die von Radfahrer*innen meistbefahrene Straße der Welt – und man sieht es.

Und dann kam der nächste Selbstversuch: Ein E-Bike eines anderen Anbieters mieten. Bei Tier klappte der Anmeldevorgang nicht, da die sms zur Identifikation des Handys nicht ankam. Bei Bolt ging es ordentlich, jedoch nur mit Angabe der Kreditkartendaten. Eine Stunde bin ich durch die westlichen Stadtbereiche gefahren und habe dabei auch den bekannten Superkilenpark besucht.

 

Und dann plötzlich schaltete sich das Rad einfach so mitten auf der Straße aus. Ich hatte keine Chance, irgendwas zu machen, eine Störungsmeldung per App ging nicht raus. Nach einem Neustart des Handys und der App konnte ich dann sehen, dass der Mietvorgang nach einer Stunde beendet wurde. 145kr oder 19,50 Euro standen auf der Rechnung, das ist viel zu teuer für eine Stunde – das wird bei mir ein Einzelfall zu Testzwecken bleiben!  Später sollte mir eine E-Mail mitteilen, dass die maximale Mietdauer mit einer Stunde erreicht war. Dies hatte ich vorher aber nirgends gesehen – und später auch bei längerer Recherche nicht gefunden.
Nach kurzer Zeit schnappte ich mir also einen Donkey, um preiswert meine Fahrt zu beenden.  Für 30 Minuten waren diesmal 26 kr oder 3,50 Euro  zu zahlen. Allerdings war es am Ende etwas schwierig, den vorgeschriebenen Abstellort genau zu treffen, um ohne Strafgebühr die Miete zu beenden. All diese Räder sind für Touristen und Geschäftsleute sicher interessant, aber keine Konkurrenz zu privaten Rädern. In Städten wie Düren würde vermutlich kein großer Bedarf bestehen, denke ich.       
Mein letztes Ziel für heute: Kodbyen. Der Bereich des ehemalige Schlachthofes soll gemäß Reiseführer ein total hippes Viertel sein, mit Kunst und Gastronomie und gute Wohnungen. Ich habe es als wenig einladende Ecke empfunden,- vielleicht weil es ein bedeckter Sonntagabend war?

So viele Räder passen auf einen Autostellplatz

Hier geht es zu Teil 1 des Berichtes