Bericht zum Onlinetermin Mehrweg

Am 4.6. fand ein Online – Dialog „Mehrweg in der Gastronomie“ statt. Wie können Dürener Gastronomiebetriebe auf gesetzliche Änderungen im Verpackungsbereich reagieren? Diese Frage stellte Georg Schmitz, Vorsitzender des Ausschusses für Mobilität, Umwelt, Klimaschutz und 3.stellv. Bürgermeister der Stadt Düren. Nach einem kurzer Einführungsvortrag von Christian Behrens, dem Abfallexperte der Deutschen Umwelthilfe, gab es kurze Auftaktstatements und Berichte zum Sachstand in Düren sowie anschließend eine Diskussion.

Input 1: Verschiedene Kunststoffe sind in der EU ab Juli 2021 verboten!

Welche Einweg-Kunststoffprodukte dürfen künftig nicht mehr verkauft werden?

Wattestäbchen, Besteck, Teller, Trinkhalme, Rührstäbchen und Luftballonstäbe aus Kunststoff sowie To-go-Getränkebecher, Fast-Food-Verpackungen und Wegwerf-Essenbehälter aus expandiertem Polystyrol (bekannt als Styropor) sind künftig nicht mehr erlaubt.

Mit der Verordnung werden herkömmliche Einwegprodukte aus Kunststoff verboten, die aus fossilen Rostoffen wie Rohöl hergestellt werden. Landen sie in der Umwelt und nicht in der gelben Tonne, verbleiben sie dort viele Jahrzehnte – genau wie Einweg-Plastiktüten. Verboten werden zudem Wegwerfteller oder -becher aus biobasierten oder biologisch abbaubaren Kunststoffen. Der Bundestag und Bundesrat haben der Verordnung zugestimmt. Sie wird am 3. Juli 2021 in Kraft treten. Quelle

Input 2: Novelle im Verpackungsgesetz: ab 2023 wird Mehrweg zur Pflicht!

Restaurants, Bistros und Cafés werden ab 2023 dazu verpflichtet, der Kundschaft auch Mehrwegbehälter anzubieten. Das sieht die Änderung des Verpackungsgesetzes vor. Damit soll die Verpackungsflut im To-Go-Bereich eingedämmt werden. Nach Zahlen des Umweltbundesamtes lag das Verpackungsmüllaufkommen in Deutschland im Jahr 2018 bei 18,9 Millionen Tonnen. Pro Kopf seien das etwa 238 Kilogramm Verpackungsabfälle. Das sind rund zwei Badewannen voll. Die Zahl sei seit 2010 kontinuierlich gestiegen. Die Umweltministerin stellte in der digitalen Pressekonferenz am 20. Januar 2021 die wichtigsten Punkte der Novelle vor. „Mein Ziel ist, dass Mehrweg-Boxen und Mehrweg-Becher für unterwegs der neue Standard werden. Daher verpflichten wir die Gastronomie, künftig neben Einweg- auch Mehrwegverpackungen anzubieten. Überall sollen sich die Verbraucherinnen und Verbraucher für Mehrweg entscheiden können. Das ist ein wichtiger Schritt, um die Verpackungsflut im To-Go-Bereich einzudämmen.“
Quelle

Das müssen Gastronomiebetriebe jetzt wissen: Laut Umweltministerium darf die Mehrwegvariante nicht teurer sein als das Produkt in der Einwegverpackung. Ein angemessenes Pfand sei aber erlaubt. Die Gastronomiebetriebe müssen demnach auch die Mehrwegbehälter zurücknehmen. Kleine Geschäfte wie Imbisse, Spätkauf-Läden und Kioske mit bis zu fünf Mitarbeiter*innen und einer Ladenfläche kleiner als 80 Quadratmetern sind von der Mehrweg-Pflicht vorerst ausgenommen. Sie müssen ihren Kunden aber Essen oder Getränke auf Wunsch in mitgebrachte Behälter abfüllen. Auf diese Möglichkeit sollten sie ihre Kundschaft deutlich hinweisen.

Ich habe Ihnen einige weitere Informationen rund um das Thema Mehrweg zusammengestellt, die Gegenstand der Diskussion waren. Mehr schicke ich gerne auf Anfrage zu.

Von den Schließungen im Corona-Shutdown sind auch die Dürener Restaurants und Cafes betroffen. Viele versuchen sich mit dem Verkauf außer Haus zu helfen. Wir alle nutzen das gerne, um unsere lokalen Gastronomen zu unterstützen. Leider verstärkt dieses Liefergeschäft nochmals das grundsätzliche Problem mit Einweg-Verpackungen in der Gastronomie. In normalen Jahren werden allein in Deutschland 2,8 Milliarden Einwegbecher verbraucht und anschließend zu fast 100% im Müll (oder in der Landschaft) entsorgt. Angesichts geschlossener Cafes dürften es aktuell nochmals deutlich mehr sein. Auch der Außer-Haus-Verkauf von Speisen verursacht viel Müll, oft in Form besonders schädlicher Materialien wie Styropor und Aluminium.

Ich möchte deshalb die Dürener Gastronom*innen einladen, sich mit dem Thema Mehrweg schon jetzt – und nicht erst in 2 Jahren – zu beschäftigen. Der Onlinetermin war ein Auftakt und diente auch einer weiteren Vernetzung. Mit wieder verwendbaren Schüsseln für Essen und Bechern für Getränke können Gastronomen auf nachhaltige Systeme umsteigen. Die Behälter können dann bei allen angeschlossenen Restaurants per Pfand ausgeliehen und wieder abgegeben werden. Auch wer kein überregionales System nutzen möchte, sondern eine eigene Verpackungsserie nutzt, vermeidet Müll.
Super ist es auch, wenn Kund*innen Becher oder Boxen mitbringen und die Betriebe diese füllen. Auf diese sehr empfehlenswerte Variante der Müllvermeidung gehe ich nachfolgend aber nicht weiter ein. 

Drei Beispiele aus Düren:

1.Angies Mocca in Düren nutzt Recup.
Zweiter Teilnehmer bei Recup ist die Shell-Tankstellenkette mit der Tankstelle im großen Tal. Die Becher werden vom Geschäft für die übliche Pfandgebühr von Recup übernommen und gegen den gleichen Betrag an Kunden abgegeben. (Durchlaufender Posten, keine Kosten).

Als Kosten sind nur 1,- Systemgebühr je Tag und Betrieb zu sehen.
Der Aufwand fürs Spülen kann vermutlich in etwa mit dem finanziellen Aufwand für die Anschaffung der Einwegverpackungen gleichgesetzt werden. Der Vorteil ist, dass man keine App oder so braucht, es geht genauso einfach wie bei Getränkeflaschen! Pfand kennt jeder Mensch irgendwie und man braucht nicht viel erklären. Einfachheit ist das große Motto von Recup/Rebowl. Angies Mocca nutzt für Speisen Rebowl – das ist vom gleichen Anbieter wie Recup.

2. Nudel & Holz in Düren wird auch Recup -Becher nutzen. Bei Essensboxen wird man jedoch auf das System Vital setzen. https://www.vytal.org/ (Stark im Kölner Raum). Vytal hat den Vorteil, dass Kund*innen zunächst keine Pfandgebühr zahlen, sondern nur per App die Box registrieren. Nur falls diese nicht innerhalb einer vereinbarten Zeit zurückkommt, entstehen Kosten für Kund*innen. Man braucht eine eigene App und schließt so schon manche Kunden aus, die nicht mit Smartphone arbeiten wollen.  

3. Herr Bongartz von Breuers Häuschen ist meines Wissens der erste und einzige Betrieb in Düren, der Essen komplett nur noch in Mehrwegverpackungen abgibt. Er setzt auf einen anderen Weg und hat sich für Produkte der Firmen FITPREP und HENSHOW entschieden. Die von ihm eingesetzten Schalen haben mehrere Fächer und Speisen können so schöner dargeboten werden als z.B. bei einer Rebowl. Die Verpackungen bei Breuers Häuschen sind relativ preiswert in der Anschaffung und mit 2,- Pfand je Gebinde auch nicht zu teuer für die Kunden.
Es wäre wünschenswert, wenn sich möglichst viele Dürener Betriebe auf nur wenige Systeme einigen würden, damit die Kund*innen nicht durch eine Vielzahl von unterschiedlichen Vorgehensweisen verunsichert werden.

Alle Teilnehmer*innen waren sehr interessiert, das Thema Mehrweg gemeinsam nach vorne zu bringen und wollen den Kontakt vertiefen.

Die Bilder mit den grünen Schalen von Rebowl entstanden am Biergarten Jülich-Barmen.

Zur Vorbereitung dieses Termines nahm ich (Georg Schmitz) am Online-Seminar „Mehrweg in der Gastronomie“ der DUH teil. Auf dem Youtube-Kanal der Deutschen Umwelthilfe können Sie sich Teile der Veranstaltung noch einmal als Video ansehen:

Über den nachstehenden Link können Sie die Hygiene-Merkblätter des Lebensmittelverbands Deutschland abrufen: https://www.lebensmittelverband.de/de/lebensmittel/sicherheit/hygiene/hygiene-beim-umgang-mit-mehrweg-bechern-behaeltnissen-pool-geschirr

Schauen Sie gerne auf der Projektseite von „Becherheld*in – Mehrweg to go“ vorbei, auf der Sie weitere spannende Informationen rund um die Problematik von Einweg-Coffee-to-go-Bechern sowie Informationsflyer finden: www.duh.de/becherheld

In Kürze wird die DUH den angekündigten Online-Einkaufsführer Mehrweg to go veröffentlichen. Nutzen Sie darüber hinaus auch das Angebot des Better World Cup! Hier finden Sie einen Berlin-Stadtplan mit allen an der Kampagne teilnehmenden Betrieben:https://betterworldcup.de/berlin/. Mehr Informationen zu Mehrwegsystemen auf Veranstaltungen finden Sie auf der Projektseite der DUH https://www.mehrweg-mach-mit.de/event-becher/.
Mehrwegbecher und –schalen für die Gastronomie können in gewöhnlichen Spülmaschinen gereinigt werden. Auch hier ist somit keine oder kaum ergänzende Infrastruktur erforderlich. Daher sollte das Ziel stets sein, direkt einen Umstieg auf Mehrweg zu erreichen. Infos zu Mehrwegoptionen für Coffee to go finden Sie auf https://www.duh.de/becherheld-loesung/. Wenden Sie sich bei Rückfragen gerne an die DUH und verbreiten Sie die zur Verfügung gestellten Dokumente und Videos weiter. DUH und Grüne Düren freuen sich darauf, auch zukünftig mit Ihnen im Austausch zu bleiben und gemeinsam Mehrwegsysteme zu stärken!
Da die Grünen Nörvenich großes Interesse am Thema hatten, wird der Beitrag auch dort geteilt.

Sprecher OV Düren

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