Herzlichen Glückwunsch „Pro Rad“

Die Bürgerinitiative Pro Rad Düren existiert seit 5 Jahren. Wir gratulieren herzlich und danken für das großartige und leidenschaftliche Engagement für die Sache. Zu diesem Anlass erhielten wir eine Pressemitteilung, die wir gerne als Gastbeitrag veröffentlichen.

Seit 5 Jahren setzt sich ProRad Düren für den Radverkehr ein.

Zum Jubiläum gab es einen Ausflug nach Den Bosch (NL)
Seit 2015 engagiert sich ProRad für eine Verbesserung der Radverkehrsbedingungen in Düren. Zur Feier des 5-jährigen Jubiläums haben sich die ProRadler etwas Besonderes überlegt und einen „Blick in eine Zukunft“ geworfen, wie die Aktiven sie sich wünschen würden.
Am 5. September ging es mit der Bahn nach Den Bosch (auch ’s-Hertogenbosch) in den Niederlanden. Dort warteten bereits Aad und Frits vom ortsansässigen Fietsersbond (das ist das niederländische Pendant zum ADFC), die sich bereit erklärt hatten, den deutschen Besuchern die Stadt und ihre Lösungen für den Radverkehr zu zeigen. Den Bosch wurde ausgewählt, weil die Stadt in Bezug auf die Fahrradkultur viel zu bieten hat. Die Jury des Fietsersbond hat die Stadt 2011 zur Fahrradstadt des Jahres gekürt.

Ein funktionierendes Fahrradverleihsystem und viele gelassene Menschen
Die erste Überraschung erwartete die ProRadler gleich nach der Ankunft in Den Bosch. An den meisten Bahnhöfen, Metro-Stationen etc. der Niederlande gibt es die Möglichkeit, sogenannte OV-fietse auszuleihen – zum Preis von nur 3,85 EUR pro Rad für 24 Stunden! Dass die Räder über nur einen Gang und ausschließlich über eine Rücktrittbremse verfügen, war zunächst gewöhnungsbedürftig, dann aber überhaupt kein Problem, weil Den Bosch – genau wie Düren – praktisch keine Steigungen bereithält.
Mit den OV-fietsen ging es auf Erkundungstour – zunächst durch die Innenstadt, die wie eine einzige Fußgängerzone wirkt. Es ist viel los, die Gassen sind eng – und trotzdem darf Rad gefahren werden. Elmar Farber von ProRad ist begeistert: „Sehr beeindruckend war das Miteinander der niederländischen Verkehrsteilnehmer. Erstaunlich, wozu gegenseitige
Rücksichtnahme führen kann. Der Einzelne verzichtet darauf, immer Vorrang haben zu müssen und der Schnellste sein zu wollen. Dafür kommen dann alle insgesamt viel flüssiger und entspannter durch die Innenstadt.“

Komfortable Fahrradabstellanlagen und eine autofreie City
Mitten in der Innenstadt zeigten Aad und Frits den staunenden deutschen Besuchern das Fietsenstalling in der Kerkstraat – ein, in diesem Fall unterirdisches, Fahrradparkhaus. Es kann kostenfrei genutzt werden und bietet 1.100 Stellplätze in bester Citylage. Imke Grenzdörffer von ProRad erzählt: „Wir haben das Treiben in und an dem Fahrradparkhaus eine Weile beobachtet. Mich hat besonders beeindruckt, wie verschieden die Menschen waren, die ein und ausgingen. Das Rad ist in den Niederlanden tatsächlich für alle Alters- und Gesellschaftsgruppen ein ganz alltägliches Verkehrsmittel“. Rob Maris, ebenfalls ProRad, ergänzt: „Die Fahrradparkhäuser in den Niederlanden bieten Platz für alle Arten von
Fahrrädern. Es gibt auch besondere Stellplätze für Lastenräder und jede Menge Ladeplätze für E-Bikes“.
Autos sieht man im Bereich der Innenstadt Den Boschs fast gar nicht. Das Verkehrskonzept der Stadt sieht vor, dass Besucher – soweit sie nicht ohnehin per Rad, Bahn oder Bus anreisen – ihr Auto „vor den Toren der Stadt“ abstellen. Dort gibt es ausreichend Parkraum und die Möglichkeit, mit Bussen oder stadteigenen Leihfahrrädern (ganz ähnlich wie OV-fiets) kostenlos in die City zu gelangen. Das nutzen die Menschen ausgiebig. „Die City war so voll mit Menschen, wie wir es aus Düren gar nicht kennen. Das ist aber auch kein Wunder, denn die autofreie Innenstadt von Den Bosch ist durch das Verkehrskonzept der Stadt gut zu erreichen und lädt wirklich sehr zum Shoppen, Verweilen und der Nutzung der tollen gastronomischen Angebote ein“, sagt Tanja Malchow von ProRad.

Radschnellwege, Brücken und das Gefühl, zu fliegen
Nach dem Besuch der Innenstadt führten die beiden ortskundigen Tourenleiter die ProRadler über einen komfortablen Radschnellweg in die Außenbereiche von Den Bosch. Denn auch dort gab es für die Besucher viel zu entdecken. Über dem Verkehrskreis Bruistensingel-Empelseweg wurde eine beeindruckende Brücke für Radfahrer und Fußgänger realisiert, ein sogenannter „fly-over“. Dieser macht seinem Namen alle Ehre. Ohne Wartezeiten – quasi im Flug – überqueren Radfahrer den Verkehrskreis und können ihre Fahrt in alle Richtungen fortsetzen. Zu verdanken ist das dem System der Zweirichtungsradwege, die in Den Bosch weit verbreitet
sind. Tanja Malchow erklärt: „Die Brücke ist nicht nur ein echter Hingucker, sondern vor Allem sehr komfortabel und sicher für Radfahrer, die den Verkehrskreis überqueren möchten. Auch wenn so eine Lösung nicht 1:1 übertragen werden kann, würde ich mir eine ähnliche Lösung für
den Friedrich-Ebert-Platz wünschen.“

Grüne Welle für den Radverkeh
Der Rückweg in die Innenstadt ging dank einer scheinbar installierten grünen Welle für Radfahrer sehr flott. Der Trick: Aad und Frits wiesen auf die Induktionsschleifen hin, die vor den Ampelquerungen in den Radwegen eingelassen sind und so das Gefühl einer grünen Welle für den Radverkehr vermitteln. Helmut Stahl ist begeistert: „Das ist phantastisch, denn auch
Radfahrer – besonders Pendler – freuen sich nicht nur über eine Zeitersparnis, sondern auch darüber, den vorhandenen Schwung zu nutzen und Kraft zu sparen.“

Den Bosch macht Eindruck
Abgesehen von der ausgezeichneten Radinfrastruktur hat Den Bosch auch sonst viel zu bieten. Der weitläufige, quadratische, baumumstandene Platz vor der Sint Janskathedraal war früher ein Parkplatz. Jetzt lädt er zum Verweilen ein. Menschen sitzen in Cafés, flanieren oder halten
ein Pläuschchen. Es herrscht eine ruhige, entspannte Stimmung.
Auch an einer anderen Stelle am Rande der City hat Raum zum Leben einen Parkplatz ersetzt. Jens Veith erklärt: „Dort, wo früher der Parkplatz war, gibt es jetzt Gärten, die von den Anwohnern gemeinsam bewirtschaftet werden. Ein Kinderspielplatz ist vorhanden und außerdem Blühwiesen. All das macht den ehemaligen Parkplatz zu einem Ort der Begegnung in
der Natur. Eine schöne Atmosphäre!“
Auf der Rückfahrt nach Düren haben die ProRadler viel über die gewonnenen Eindrücke diskutiert. Sie sind überzeugt, dass sich die Radverkehrslösungen, die in Den Bosch gefunden wurden, auch in Düren umsetzen lassen. Darüber, dass in Düren bezüglich der Radverkehrsförderung „viel Luft nach oben“ ist, sind sich die Aktiven einig. Nun haben sie in Den Bosch erleben können, dass viel Rad- und wenig motorisierter Verkehr sich außerdem sehr positiv auf die Lebensqualität in einer Stadt auswirkt.

Das Beitragsfoto (oben) ist am auf einem nagelneuen Ortbetonradweg entstanden. (Bild/Quelle: Claudia Veith).
Einen ausführlicheren Bericht mit vielen weiteren Fotos finden Sie auf der Webseite unter https://prorad-dn.de/geburtstag-prorad-wurde-5-jahre-alt/

Wir möchten die Ziele von ProRad ernst nehmen: Marie Knodel und Hava Zaimi bei der Präsentation des Wahlprogrammes im Frühjahr.

Update: Interessanter Artikel der Dürener Nachrichten

Pro Rad fordert einen sicheren Tunnel
Radfahrer- und Fußgängerweg an der B56n nicht gut gelöst. Straßen.NRW verspricht, das Möglichste zu tun. Den Artikel finden Sie im ePaper unter:
https://www2.aachener-nachrichten.de/mwm/article.php?bid=91321181&edition=an-d

Radfahrer wie Rob Maris wundern sich, wie der Tunnel unter der B56n angelegt ist. Von der Nordseite her, also von Arnoldsweiler kommend, müssen Radler einige Meter bergab fahren, um dann recht scharf nach links in die Unterführung einzubiegen. Das alleine ist nicht die Krux an der Sache: Der Weg ist nur 2,50 Meter breit (der Tunnel selbst 3,10 Meter), Radfahrer kommen aus beiden Richtungen, die Tunneleinfahrt ist nicht einsehbar – und Fußgänger nutzen den Weg auch noch. Alles Aspekte, die das Radfahren und Spazierengehen an dieser Stelle potzenziell gefährlich machen. „Das muss man anders lösen“, sagt Rob Maris vehement. Er ist in Düren das bekannteste Gesicht der Arbeitsgemeinschaft Pro Rad. „Wir fordern einen breiteren Weg und eine andere Führung: nicht so steil und eine grozügigere Kurve.“Schwung ist nötigMaris vertritt diese Forderung nicht exklusiv. Unterstützung erhält die Arbeitsgemeinschaft von Franz-Josef Wallraff (Sachkundiger Bürger, Mitglied Mobilitätsforum) und dessen Frau, dem Ratsmitglied Maria Wallraff (Grüne). Sie wird diese Strecke fast täglich fahren, wenn sie freigegeben ist. Sie sagt auch: „Von der anderen Seite kommend ist der Anstieg zu steil. Ältere Leute werden ein Problem bekommen.“Die Südseite ist für die Radfahrer keine Herausforderung. Sie führt nahezu gerade in den Tunnel hinein, er ist von dort auch viel besser einsehbar. Nur breiter könnte der Weg auch dort sein, findet Rob Maris.„Ich verspreche, dass wir das, was möglich ist zu ändern, verbessern werden. Ich kann die Anliegen verstehen.“Arnd Meyer, Straßen.NRWMit seinem Anliegen hat er sich schon mehrfach an Straßen.NRW gewandt. Der Landesbetrieb kümmert sich um den Bau des Tunnels, der zum Großprojekt B56n gehört. Maris vermisst bei den Zuständigen den Willen, die „Verkehrswende“ und die Anliegen der Radfahrer – deren Zahl ja nach politischem Willen stark steigen soll – wirklich anzuerkennen und auch entsprechende Baupläne mal zu ändern.Anruf der Redaktion bei Arnd Meyer. Er setzt das Projekt um, das in Düren seit Jahrzehnten in Planung ist. Dass Pro Rad und vor allem Rob Maris so engagiert sind, finde er gut und richtig, sagt er. Gleichzeitig betont Arnd Meyer: „Wir können keinen grundsätzlich festgelegten Bauplan einfach so ändern.“ Damit meint er: Seit 2013 steht fest, was im Bereich Arnoldsweilerweg/B56 entstehen soll. Der Beschluss wurde nach der üblichen öffentlichen Beteiligung gefasst. Vor sieben Jahren also. Die Initiative Pro Rad gab es damals noch nicht – sie feierte in diesem Monat ihren fünften Geburtstag. Mit einer Tour durch das niederländischen Den Bosch übrigens, die Zustände dort seien „paradiesisch“ für Radfahrer.Nur weil Pro Rad den offiziellen Toresschluss für ihre Kritik verpasst hat, heißt das nicht, dass Arnd Meyer im Namen des Landesbetriebes abwiegelt, wie er der Redaktion schildert. „Ich verspreche, dass wir das, was möglich ist zu ändern, auch verbessern werden. Ich kann die Anliegen verstehen, natürlich.“Welche Pro-Rad-Forderungen erfüllt werden (können), sei noch offen. Erst in der kommenden Woche geht der Straßenbau weiter. Dann laufen die weiteren Gespräche mit der zuständigen Firma. Arnd Meyer betont: Die Radfahrer, gerade die Kritiker des derzeitigen Bauvorhabens, würden bis Ende des Jahres sehen, wie sich Straßen.NRW um die Anliegen der Radler kümmert.

Sprecher OV Düren

Verwandte Artikel