Modellfabrik Papier: Düren bekommt den Zuschlag

Mit großer Freunde konnten wir heute lesen, dass Düren die Modellfabrik Papier bekommen soll. Dazu Ortsverbandsprecher Georg Schmitz: „Dies ist ein wichtiger Beitrag zum Strukturwandel. Die Papierindustrie ist ein wichtiger Wirtschaftszweig in Düren. Der hohe Energiebedarf wird bisher überwiegend über Kohleverstromung gestillt. Es ist gut und wichtig, da jetzt zügig Innovationen zu ermöglichen, in Bezug auf Energieeinsparung, aber auch in Bezug auf ganz neue Produkte.“

Ein bundesweites Konsortium mit Vertretern aus der Papierindustrie und der Forschung hat sich für die Rurstadt entschieden.
(VON SANDRA KINKEL, DN vom 31.07.2020)

Die Stadt Düren hat den Zuschlag für die Modellfabrik Papier bekommen. Das hat Gerhard Hochstein am Donnerstag im Rathaus bekanntgegeben. Hochstein ist Geschäftsführer von der Schoeller Group, einem Unternehmen, das sich auf die Herstellung von Fein- und Dekorpapieren spezialisiert hat, und Sprecher eines bundesweiten Konsortiums Papier produzierender Unternehmen sowie der Technischen Universität (TU) Darmstadt und der Papiertechnischen Stiftung. Damit entsteht im neuen Innovationsquartier am Bahnhof ein moderner Bau mit Platz für Labore und Forschungseinrichtungen, aber auch für eine große Modellpapierfabrik. Baubeginn für das Projekt, für das die Stadt Mittel aus dem Strukturstärkungsgesetz in Höhe von rund 40 Millionen Euro beantragt hat, soll innerhalb der nächsten zwei bis zweieinhalb Jahre sein.

Start im Herbst

„Mit der notwendigen wissenschaftlichen Vorarbeit an verschiedenen Universitäten“, erklärte Hochstein, „wird aber schon in diesem Herbst begonnen.“ Die Papierindustrie ist sehr energieintensiv und steht nicht nur deswegen vor großen Herausforderungen. „Energieoptimierung und Klimaneutralität sind wichtige Ziele der Papierindustrie“, erklärte Hochstein. „Beides wollen wir erreichen, indem wir mit der Modellfabrik Papier eine wissenschaftliche Plattform, eine große Forschungsinitiative schaffen, die es so noch nicht gibt.“

Bürgermeister Paul Larue (CDU) sowie Thomas Hissel, Beigeordneter und Hauptgeschäftsführer der WIN.DN, freuten sich sichtlich, dass Düren sich im Standortwettbewerb um die Modellfabrik Papier gegen die TU Darmstadt durchgesetzt hat. „Düren ist seit Jahrhunderten Heimat der Papierindustrie“, betonte Larue. „Hier leben Menschen, die sich genau so lange dem Thema Papier verschrieben haben. Wir haben die Fachkräfte, die es immer verstanden haben, auf die Herausforderungen der jeweiligen Zeit zu reagieren.“
Papier gehöre maßgeblich zur DNA der Stadt, ergänzte Hissel. „So wie die Banken zu Frankfurt und der Hafen zu Hamburg Mehr als 2000 Menschen sind noch heute direkt in diesem Industriebereich beschäftigt.“ Darüber hinaus müsse die Rurstadt vor dem Hintergrund des Strukturwandels neue Arbeitsplätze schaffen. „Außerdem gibt es in der Umgebung eine hohe Dichte an Hochschulen. Auch das ist ein Standortvorteil für Düren.“ Zu guter letzt hat auch die Lage der Modellfabrik im neuen Innovationsquartier am Bahnhof für die Rurstadt gesprochen. Gerhard Hochstein: „Düren hat neben der Papiertradition auch viel Zukunft zu bieten. Wir erwarten wichtige Impulse von der Hochschullandschaft und vom Strukturwandel.“

Hoher Wettbewerbsdruck

Auch WIN.DN-Geschäftsführer Heinz Mannheims betonte, dass die Papierindustrie einem hohen Wettbewerbsdruck ausgesetzt sei. „Die Situation auf dem Weltmarkt wird immer schwieriger, auch die Digitalisierung ist ein Problem, erklärte Mannheims. Hinzu komme, dass die Dürener Papierindustrie ihre Energie bisher zum Großteil aus der Braunkohle der Tagebaue der Region bekommen habe. „Mit der Modellfabrik Papier“, ergänzte Mannheims, „schaffen wir nicht nur neue Arbeitsplätze, die nach dem Ende der Braunkohleförderung wegfallen. Wir tragen darüber hinaus auch zu einer Sicherung und Stärkung der Arbeitsplätze in der Papierindustrie bei.“
Düren habe im Bereich der Papierindustrie nicht nur Menschen und Wissen, sagte Gerhard Hochstein. „Die Verantwortlichen der Stadt haben auch unglaublich viel Herz und Verstand in dieses richtungsweisende Projekt gesteckt. Wir sind davon überzeugt, dass das auch Strahlkraft in andere Industriezweige hat.“

Die Presseinformation des Verbandes der Papierfabriken liest sich so:

Modellfabrik Papier kommt nach Düren

Düren, 30. Juli 2020 – Die Stadt Düren wird Standort der Modellfabrik Papier, eines der derzeit ambitioniertesten Gemeinschaftsprojekte der deutschen Papierindustrie. Sie ist das erste Kernelement einer gemeinsamen Forschungsinitiative der deutschen Papierforschung und der Papier- und Zulieferindustrie. Die Wirtschaftsförderung der Stadt Düren plant, für die notwendigen Investitionen in Gebäude und Anlagen Fördermittel aus dem Ausgleichsfonds „Rheinisches Revier“ bereitzustellen, mit dem der Strukturwandel nach dem Braunkohleausstieg vorangetrieben werden soll. Die Modellfabrik Papier wird von einem Konsortium von bislang 14 Unternehmen der Papier- und Zulieferindustrie sowie wissenschaftlich von der TU Darmstadt und der PTS getragen.

Die Modellfabrik Papier in Düren wird sich auf die vorwettbewerbliche Grundlagenforschung zur CO2-freien Papierherstellung konzentrieren. Dort soll im Technikumsmaßstab erforscht werden, wie – auch durch disruptive Ansätze – die energieintensive Papiererzeugung langfristig klimaneutral gestaltet werden kann. Wissenschaftliche Einrichtungen aus der Region haben Interesse an einer Mitarbeit bekundet.

Zum Konsortium der Modellfabrik Papier gehören bislang:

ABB, Bellmer, Essity, Felix Schoeller Group, Koehler Paper Group, Mitsubishi HiTec Paper, Omya, Papier- und Kartonfabrik Varel, Papiertechnische Stiftung, SAPPI, Schönfelder Papierfabrik, Siemens, TU Darmstadt, Voith, WEIG Karton, WEPA Group

Sprecher OV Düren

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