Bürgermeisterkandidatin in Düren

Bekommt Düren erstmals eine Bürgermeisterin?  
Die Grünen Düren haben eine Bürgermeisterkandidatin!

Nach einer außergewöhnlichen Video- Ausschreibung und einer spannenden Vorstellung von zwei wunderbaren Menschen in der Mitgliederversammlung wurde die 33 jährige parteiunabhängige Maria Belka aus Düren mit großer Mehrheit gewählt und als Bürgermeisterkandidatin nominiert! Als Wissenschaftlerin im Forschungszentrum Jülich ist sie Expertin für Nachhaltigkeit, erneuerbare Energien und Strukturwandel! Besonders am Herzen liegt ihr aber u.a auch die Bürgerbeteiligung. Wir freuen uns auf einen tollen Wahlkampf mit ihr und können uns sehr gut vorstellen, dass sie im September zur ersten Bürgermeisterin in Düren wird. Ein großes Dankeschön geht an beide mutige Kandidat*innen.

Wir dokumentieren die Berichterstattung in Dürener Nachrichten /Dürener Zeitung vom 9.3. – Von Sandra Kinkel

Düren Maria Belka heißt die Bürgermeisterkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen in Düren. Die 33-Jährige wurde am Freitagabend mit 19 Stimmen von den Mitgliedern des Ortsverbandes gewählt. Ihr Gegenkandidat René Jaspert (34) bekam lediglich zwei Stimmen. 23 Mitglieder nahmen an der Versammlung teil.

Die Dürener Grünen hatten sich im Dezember entschieden, nachdem die SPD mit Frank Peter Ullrich auf einen eigenen Kandidaten setzt, ebenfalls selbst nach einem Bewerber zu suchen – mit einem Video und einer Anzeige in der „Fachzeitschrift für alternative Kommunalpolitik“. „Mehr als 40.000 Menschen haben sich dieses Video angesehen“, sagte Ortsverbandssprecher Georg Schmitz. „Zwölf Leute haben sich beworben, zwei stellen sich heute Abend vor. Wir haben einen großen Optimismus, dass wir den ersten Grünen-Bürgermeister in der Geschichte Dürens stellen werden.“ Schmitz verzichtete bei der Jahreshauptversammlung auf eine lange Grundsatzrede, erinnerte sehr wohl aber an die guten Ergebnisse vergangener Wahlen. „Bei der Europawahl wurden die Grünen mit 17,6 Prozent nur ganz knapp dritte Kraft in Düren. Im Musikerviertel holten wir sogar nur sieben Stimmen weniger als die CDU.“

Für ihre Vorstellrunde hatten beide Kandidaten jeweils 15 Minuten Zeit, anschließend gab es für die Mitglieder ausführlich Gelegenheit,  Fragen zu stellen. Beide Kandidaten haben keinerlei kommunalpolitische Erfahrung, beide sind parteilos.

René Jaspert, 34 Jahre und Bereichsleiter für Personal und Organisation beim Jobcenter Rhein-Erft, bewegte sich bei seiner Rede fast ausschließlich auf Allgemeinplätzen. Er betonte, Herausforderungen gerne anzunehmen, zuzuhören, die Bedürfnisse der Menschen ernst zu nehmen und mit neuen Herangehensweisen Lösungen zu finden. Als Verwaltungschef wolle er seine Mitarbeiter zum Querdenken animieren. „Nur so kann man Ideen entwickeln.“ Für eine gute Zukunft der Stadt, betonte Jaspert, brauche es ausreichend Finanzmittel, zeitgemäße Jobs und eine funktionierende Verwaltung. „Wir müssen Vorreiter und Gestalter und nicht Mitläufer sein“, sagte Jaspert und beendete seine Rede mit „Ich bin mehr Bürger als Meister.“

„Düren für Düren“

„Ich will Düren für Düren umsetzen“, lautete Maria Belkas Wahlspruch. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Forschungszentrums Jülich, die dort ein Forschungsprojekt leitet, sich mit Themen wie Kreislaufwirtschaft, Bioökonomie und Strukturwandel beschäftigt und an der Universität zu Köln an ihrer Dissertation in Politikwissenschaften arbeitet, machte am Namen der Stadt, deren Bürgermeisterin sie werden will, deutlich, was sie erreichen will. Es geht ihr um Digitalisierung, Überparteilichkeit, ressourcenschonend, engagiert und Nachhaltigkeit – Düren eben. Dabei, erklärte die Wissenschaftlerin, seien eine gute Umweltpolitik genauso wichtig wie eine funktionierende Wirtschafts- und Industriepolitik. Belka: „Wirtschaft, Umweltschutz und Nachhaltigkeit widersprechen sich nicht. Im Gegenteil: Da gibt es sehr viele Schnittstellen.“ Belka, die sich selbst als parteilosen Teamplayer bezeichnete und der „Ampel plus“ eine „tolle Arbeit“ bescheinigte, will sich für die Förderung sozialer Start-up-Unternehmen einsetzen, mehr Streetworker einstellen und den Masterplan dahingehend erweitern, auch Gebäude in der Innenstadt zu begrünen. „Ich weiß, dass eine autofreie Innenstadt in Düren vermutlich nur eine Vision ist“, sagte Belka, „aber vielleicht können wir es schaffen, die Innenstadt Lkw-frei zu bekommen.“ Denkbar sei die Schaffung eines Distributionszentrums außerhalb der Stadt. „Dort könnten die Lkw entladen und die Waren dann mit einer E-Flotte in die Stadt gebracht werden.“ Eins sei klar: In Düren müsse unbedingt mehr für die Sicherheit der Radfahrer getan werden.“ Auf die Frage von Grünen-Mitglied Andreas Krischer, wie sie ihre Gegenkandidaten Thomas Floßdorf (CDU) und Frank Peter Ullrich (SPD) schlagen wolle, betonte Belka. „Ich bin nicht der klassische Politiker, damit kann ich punkten. Von Floßdorf kenne ich zwei Wahlkampfversprechen, nämlich, dass er die Grundsteuer B senken und Familien mit 5000 Euro unterstützen will, die sich ein altes Haus kaufen. Dass beides absolut nicht sinnvoll ist, kann ich beweisen.“ Zu ihrer Einstellung zu „Fridays for Future“ gefragt, antwortet Belka: „Greta hat gesagt: Hört auf die Wissenschaft. Ich bin Wissenschaftlerin.“

Nach der Wahl betonte Belka „überrumpelt und glücklich“ zu sein. „Ich freue mich sehr auf den Wahlkampf.“ Am Amt des Bürgermeisters reize sie, ihre Heimatstadt gestalten zu können. „Ich möchte Herausforderungen in Chancen umwandeln.“ Drängendste Aufgaben, die es zu lösen gelte, seien Strukturwandel, Verhinderung einer sozialen Spaltung und mehr Klimaschutz.

Der Kommentar von Sandra Kinkel: Ohne Zweifel: Einen Bürgermeisterkandidaten per Video in den Sozialen Medien zu suchen, ist innovativ, modern – und wie das Beispiel der Grünen zeigt, kann es sogar funktionieren. 40.000 haben sich das Video angeschaut, zwölf Männer und Frauen haben sich beworben. Und am Ende hat mit Maria Belka eine 33-jährige, parteilose Dürenerin das Rennen gemacht. Die Politikwissenschaftlerin ist jung, quirlig und hat sicher recht, wenn sie sagt, dass sie damit punkten kann, sich deutlich – und auch sehr erfrischend – von den etablierten Politikern zu unterscheiden. Das allein wird aber nicht reichen, um am 13. September Dürens erste weibliche und grüne Bürgermeisterin zu werden. Zwar hat Belka versucht, indem sie jedem Buchstaben im Wort Düren ein Adjektiv zugeordet hat, das zu ihren politischen Zielen passt, ihrer Vorstellungsrede viel Lokalkolorit zu verleihen. Begriffe wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung, Engagement und Überparteilichkeit passen aber längst nicht nur auf die Rurstadt. Sie sind eins zu eins auf viele Kommunen in der ganzen Republik übertragbar. In der Frage, wie sie die Probleme unserer Stadt angehen will, ist Marie Belka dagegen sehr schwammig geblieben. Bildung und Wohnungspolitik sind nur zwei Bereiche, zu denen sie so gut wie gar nichts zu sagen hatte. Das war viel zu wenig Düren. Daran muss sie arbeiten. Und das möglichst schnell.

Maria Belka ist Bürgermeisterkandidatin in Düren

Sprecher OV Düren

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