Wassernotstand in Langerwehe

„Pegelstände noch unbedenklich.“ „Langerwehe baut vor.“ Dies sind Überschriften in der Tagespresse vom 27. Juli 2019. Das hört sich zunächst einmal gar nicht so dramatisch an und scheint kein Grund zur Sorge zu sein. Sieht man sich aber die Fakten und Zahlen genauer an, so kann man leider nicht mehr beruhigt in die Zukunft blicken.

Der Wasserleitungszweckverband (WZV) belieferte bisher ca. 20.000 Einwohner mit Trinkwasser. Nunmehr sind es nur noch ca. 14.000. Das bedeutet, das der Verband für ein Drittel seiner Kunden kein Wasser mehr zur Verfügung stellen kann.

Wurde anfangs nur Derichsweiler von der Versorgung ausgenommen, so folgten schnell Hamich, Heistern und Wenau und schließlich auch noch Luchem und Lucherberg. Diese Maßnahme werde – so kann man lesen – einige Wochen gelten, bis sich die Pegelstände in den Brunnen erholt haben.

Auch soll ja ein vierter Brunnen gebaut werden. Aber ist wirklich zu erwarten, dass sich die Brunnen erholen? Bereits der trockene Sommer des Jahres 2018 hat zu einer Absenkung der Pegelstände in den drei Brunnen geführt. Es wurde erwartet, dass sich die Stände in den Wintermonaten durch geringeren Verbrauch wieder erholen würden. Aber genau das Gegenteil ist eingetreten. Statt eines Anstiegs musste man eine drastische Verringerung feststellen. Wie sollen sich denn in den folgenden Sommermonaten mit erhöhtem Verbrauch die Stände erholen, wenn dies im Winter nicht möglich war.

Diesen Widerspruch hat auch der WZV erkannt. Der Geologische Dienst soll dem Phänomen auf den Grund gehen. Aber das kann dauern. Sieht man sich die Bodenbeschaffenheit im Einzugsgebiet der Wasserentnahme am Wehebach in Wenau an, so stößt man auf die Tatsache, dass sich dort Schiefergestein befindet, das mehrere Bruchkanten aufweist. Diese Gesteinsformation endet hinter Langerwehe vor dem Abbaugebiet der Braunkohle. Und dort wird bekanntlich zum Betrieb der Auskohlung ständig Wasser abgepumpt.

Ist es auszuschließen, dass der Abfall der Brunnen mit den Sümpfungen in Zusammenhang steht? Sümpfungen werden schließlich im Laufe des Abbaus an wechselnden Stellen vorgenommen. Vielleicht jetzt gerade an der Stelle, an der die Wasseradern aus dem Schiefergestein liegen.

Es wird uns nichts anderes übrig bleiben, als die weiteren Untersuchungen abzuwarten. Darüber hinaus ist der Bau des vierten Brunnens dringend voran zu treiben. Aber auch dieser vierte Brunnen wird kein Allheilmittel sein, wurde er doch schon zu einem Zeitpunkt für erforderlich gehalten, als die drei Brunnen in Wenau noch ausreichend Wasser führten. Die Prognosen für Langerwehe gehen für die Zukunft von einer Zunahme der Einwohnerzahl um ca. 2.000 aus. Diese Bürger wollen aber auch mit Wasser versorgt werden.

Sollten wir wieder so einen warmen Sommer erhalten wie im Jahre 2018 (der Klimawandel lässt grüßen) und bewahrheiten sich die Befürchtungen, dass sich die Brunnen nicht erholen, so müssen wir wohl über längere Zeit Wasser von anderen Wasserwerken beziehen. Auch Aufrufe an die Bevölkerung, Wasser einzusparen (kein Pool, keine Gartenbewässerung) sind nach derzeitigem Stand nicht auszuschließen.

Wir müssen uns wirklich Sorge um unser wichtiges Lebensmittel, um unser Wasser machen.

Kreisgeschäftsführerin

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