Entsteint die Vorgärten

Das letzte Jahr war geprägt von einem superheißen und trockenen Sommer. An vielen Stellen konnten wir merken, wie abhängig wir vom Wetter sind. Schon der Sommer 2017 war in der Bewertung des Deutschen Wetterdienstes „zu warm“, vor allem aber „zu nass“. Extreme sind wahrnehmbar und sie werden häufiger.

Einige Städte beschäftigen sich derzeit intensiv mit Strategien zur Klimaanpassung. Oftmals wird über neue Pflanzensortimente im öffentlichen Raum nachgedacht, während die Feuerwehr oder auch die Bevölkerung dazu aufgefordert wird, Straßenbäume zu gießen, um sie vor dem Vertrocknen zu bewahren. Die Nachfrage nach Bewässerungssystemen für Gärten, die über den Urlaub retten sollen, steigt. Jeder, der einen Garten hat, weiß, dass das lebendige Grün Arbeit macht, spürt aber auch, dass es kühlt und erholsamen Schatten spendet. Draußen im Freien ist vor allem abends der bessere Ort.

Jeder kann etwas tun. Die ungewöhnliche Sommerhitze facht auch eine seit längerem schwelende Diskussion über die Gestaltung von Vorgärten an. Insekten- und Vogelschützer, Verfechter der Artenvielfalt, Freunde einer lebendigen blühenden Umwelt bekommen in diesen Wochen neue Argumente frei Haus. Dies hat zum einen viel mit Wasser und zum anderen mit Temperatur zu tun.

Es geht um Beschattung und um Versickerungs- bzw. Verdunstungsflächen. Wer den Freiraum um sein Haus vermeintlich praktisch mit Pflaster versiegelt oder Schotter- und Kiesschüttungen ausgebracht hat, der hat es in den Sommermonaten noch viel wärmer als die anderen. Ob die Kiesel nun weiß oder schwarz sind, ist hierbei nicht wichtig. Alle heizen sich tagsüber auf und geben die Temperatur in den Abendstunden ab. Vereinzelte Pflanzen, die im Schotterbeet noch zu finden sind, verbrennen. Es ist heiß und meist kein Schatten in Sicht, der Boden glüht.

Viele kleine Grünflächen ergeben in Summe eine große. Umso wichtiger, dass tatsächlich jeder einen Beitrag leistet, damit unsere Straßen und Städte in Zukunft lebenswert bleiben. Sicher ist, je mehr Boden versiegelt wird, desto heißer wird es. Und das Wasser, das bei häufiger auftretenden Starkregenfällen anfällt, verschwindet sturzbachartig in der Kanalisation oder sucht sich einen Weg in unsere Keller. Vegetation dagegen hält es auf und die Feuchtigkeit im Erdreich fest. Wenn die Pflanzen das Wasser dann über ihre Blätter verdunsten, sorgt das für eine wohltuende Kühlung. Wer seinen Vorgarten heute so gestalten möchte, dass er optisch gut zum Haus passt und gleichzeitig ein angenehmes Kleinklima entfaltet, muss kein passionierter Gärtner sein. Denn es gibt genügend standort- und klimaangepasste Pflanzen, die kaum Pflege benötigen.

Wer es für sich, seine Umwelt, für die Insekten, seine Zukunft möchte, der sollte den Schritt wagen und seinen Vorgarten entsteinen bzw. erste Überlegungen diesen so zu gestalten fallen lassen.

Vorsitzender KV Düren und Sprecher OV Jülich

Verwandte Artikel