Erwiderung an Herr Ferebauer

In der DN Woche bezweifelt Herr Ferebauer für die Autoinnung die Schädlichkeit von Stickoxid und wirft die Grenzwerte an Arbeitsplätzen in den Text hinein. Herr Ferebauer vergleicht in seinem Beitrag leider Äpfel mit Birnen.

Der hohe Arbeitsplatzgrenzwert gilt z.B. für einen Schweißer, da dort naturgemäß höhere Stickoxidkonzentrationen auftreten. Der EU Grenzwert hingegen soll verhindern, dass Kleinkinder oder geschwächte Menschen dauerhaft zu hohen Konzentrationen ausgeliefert sind. Man mag über die genauen Zahlen streiten, aber es ist klar, dass durch zu hohe Stickoxidwerte tausende Menschen in Europa jedes Jahr früher sterben.

Wer es genauer wissen will, finden nachfolgend eine Erläuterung. Es handelt sich um eine geringfügig bearbeitete Information des Umweltbundesamtes: Der EU-Grenzwert (Jahresmittelwert) für die Stickstoffdioxidkonzentration (NO2) in der Außenluft beträgt 40 µg/m³, der Arbeitsplatzgrenzwert ist mit 950 µg/m³ wesentlich höher. Ein Arbeitsplatzgrenzwert ist ein Wert für die zeitlich begrenzte Belastung gesunder Arbeitender, während durch NO2 in der Außenluft auch empfindliche Personen rund um die Uhr betroffen sein können.

Bei der Ableitung von Grenzwerten für Stickstoffdioxid in der Außenluft können nicht die gleichen Maßstäbe angelegt werden wie für Arbeitsplatzgrenzwerte (Ableitung aus der Maximalen Arbeitsplatz-Konzentration, MAK). Der MAK-Wert für NO2 ist eine wissenschaftliche Empfehlung der ständigen Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft und entspricht in seiner Höhe ebenfalls dem Arbeitsplatzgrenzwert (AGW) der Gefahrstoffverordnung (GefStoffV). Arbeitsplatzgrenzwerte gelten nur für Arbeitende an Industriearbeitsplätzen und im Handwerk, bei denen aufgrund der Verwendung oder Erzeugung bestimmter Arbeitsstoffe eine erhöhte Stickstoffdioxid-Belastung zu erwarten ist.

Stickstoffdioxid entsteht beispielsweise bzw. wird verwendet bei Schweißvorgängen, bei der Dynamit- und Nitrozelluloseherstellung oder bei der Benutzung von Dieselmotoren. Der Arbeitsplatzgrenzwert hat unter anderem einen anderen Zeit- und Personenbezug als der Grenzwert für die Außenluft: Der Wert gilt für gesunde Arbeitende an acht Stunden täglich und für maximal 40 Stunden in der Woche. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die berufsbedingt Schadstoffen ausgesetzt sind, erhalten zusätzlich eine arbeitsmedizinische Betreuung und befinden sich somit unter einer strengeren Beobachtung als die Allgemeinbevölkerung.

Stickstoffdioxid in der Außenluft sind hingegen alle Menschen rund um die Uhr ausgesetzt, wenngleich die Konzentration je nach Aufenthaltsort schwanken kann. Gerade empfindliche Personen wie Kinder, Schwangere, alte Menschen oder Menschen mit Vorerkrankungen wie Asthma reagieren zum Teil wesentlich sensibler auf Umwelteinflüsse. Grundlage von Grenzwerten für Schadstoffe in der Außenluft sind deren langfristige, über Jahrzehnte hinweg in Studien beobachtete gesundheitliche Auswirkungen auf die jeweils untersuchten Bevölkerungsgruppen.

Für Büroarbeitsplätze sowie Privaträume finden MAK-Werte keine Anwendung. Grundsätzlich ist hier die Qualität der Außenluft anzustreben. Die Innenraumlufthygienekommission leitete in den 1990er Jahren einen sog. Richtwert II für Stickstoffdioxid in der Innenraumluft von 60 µg/m³ (Wochenmittelwert) ab. Der Richtwert II ist ein wirkungsbezogener Wert, bei dessen Erreichen beziehungsweise Überschreiten unverzüglich zu handeln ist. Diese höhere Konzentration kann, besonders für empfindliche Personen bei Daueraufenthalt in den Räumen, eine gesundheitliche Gefährdung sein. Aufgrund des EU-Grenzwertes für die Außenluft von 40 µg/m³ im Jahresmittel und neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse strebt der Ausschuss für Innenraumrichtwerte AIR die Aktualisierung der Bewertung für Stickstoffdioxid im Innenraum an.

Der EU-Grenzwert für die Konzentration von Stickstoffdioxid in der Außenluft im Jahresmittel stimmt mit den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) überein. Der Grenzwert wird aufgrund bevölkerungsbezogener Studien abgeleitet, die auch empfindliche Personengruppen und empfindliche Zeiträume des Lebens einbeziehen. Somit sind für die Beurteilung des Gesundheitsschutzes der Allgemeinbevölkerung vor Stickstoffdioxid in der Außenluft der EU-Grenzwert, respektive der WHO-Richtwert in Höhe von 40 µg/m³ im Jahresmittel heranzuziehen.

Quelle: http://www.umweltbundesamt.de/themen/unterschied-zwischen-aussenluft

Unsere Studien zeigen Auswirkungen auch unterhalb des gegenwärtigen Grenzwerts. Meine persönliche Einschätzung ist, dass der Grenzwert sich Ändern wird, dass die überarbeiteten Grenzwerte der WHO niedriger sind als der Gegenwärtige Grenzwert von 40 Mikrogramm.“

(Prof. Annette Peters, Helmholtz-Zentrum München)

Quelle: http://www.br.de/nachrichten/stickoxide-wann-gefaehrlich-100.html

 

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