Ein Jahr Initiative Friedensplan

Düren, 21.03.2017. – Vor einem Jahr bot die Initiative Friedensplan, ein breites Bündnis aus kirchlichen Vertretern, Parteien, Umweltorganisationen, Bürgerinitiativen und engagierten Einzelpersonen mit dem Positionspapier „Voraussetzungen für einen Friedensplan für den Hambacher Forst im Rheinischen Revier“ dem Vorstand der RWE Power AG Gespräche zur Lösung des Konflikts im Hambacher Wald an.

Als Grundvoraussetzung forderte das Bündnis, dass das Unternehmen die Rodungsarbeiten für eine Saison aussetzt. Obwohl RWE zu diesem Schritt nicht bereit war, fanden ab September Gespräche zwischen VertreterInnen der Initiative Friedensplan und RWE statt. Nun zieht die Initiative Friedensplan eine positive Bilanz ihres einjährigen Wirkens. Ihr ist es gelungen, ein konfessionsübergreifendes und überparteiliches Bündnis über die Kreisgrenzen hinaus zu schaffen und den Braunkohlenwiderstand um wichtige Facetten zu bereichern. „In diesem Bündnis arbeiten Menschen aus der Mitte der Gesellschaft, aus Kirchen, Parteien und NGOs vertrauensvoll und sehr engagiert zusammen“, so Antje Grothus, die maßgeblich an der Vernetzung im Braunkohlenrevier beteiligt ist. Insbesondere die vielen Gespräche, die die Bündnismitglieder seit dem Frühjahr innerhalb der kohlekritischen Fraktionen und mit der Polizei geführt haben, hätten zur Deeskalation beigetragen.

Walter Mörsch sieht sich als Mitglied im Katholikenrat und praktizierender Christ geradezu in der Pflicht sich für einen zügigen Kohleausstieg einzusetzen und zitiert aus der Umwelt-Enzyklika des Papstes Laudato Si: „Wir wissen, dass die Technologie, die auf den sehr umweltschädlichen fossilen Brennstoffen – vor allem von Kohle, aber auch von Erdöl und, in geringerem Maße, Gas – basiert, fortschreitend und unverzüglich ersetzt werden muss.“ (Kap. 5, I, 165)

Dass der Widerstand gegen die Umweltzerstörung durch RWE mittlerweile aus breiten gesellschaftlichen Kreisen kommt, zeigt sich auch an den fast 27.000 Unterschriften unter der Online-Petition zur Rettung des Hambacher Waldes, aber auch an der Zahl der Teilnehmenden an den Waldspaziergängen des Waldpädagogen und Naturführers Michael Zobel. Während der letzten drei Jahre hat er mehr als 7.000 Menschen durch den Wald geführt. Er freut sich, dass durch die Bündnisarbeit die beiden großen „Rote-Linie“ Aktionen mit 2.200 Teilnehmenden an der ehemaligen A4 den öffentlichen Druck weiter erhöht haben und immer mehr Menschen bereit sind, für mehr Klimaschutz und den Erhalt des Waldes auf die Straße zu gehen. Trotz Rodungsprovokation wurden Gespräche fortgeführt

Selbst als der Energiekonzern im Herbst 2016 mit weiteren massiven Rodungen vollendete Tatsachen schuf und ein weiteres ca. 70 ha großes Waldstück unwiederbringlich, und aus Sicht des Friedensplans Bündnisses völlig unnötig, vernichtete, ließ man den Gesprächsfaden nicht abreißen.

Seit September 2016 fanden zwischen Vertretern der Initiative Friedensplan und von RWE Power im Rahmen des sogenannten Hambacher Dialogs Gespräche zur Situation im verbliebenen Hambacher Forst statt. Beide Seiten nutzten diese Gelegenheit, ihre Eindrücke und Bewertungen zu den konfliktreichen Vorgängen vorzutragen und zu diskutieren. Nach sechs intensiven Gesprächsrunden habe man sich entschieden die Gespräche bei Bedarf fortzuführen. Gerhard Kern, Supervisor im Unruhestand, hatte die Gespräche mit RWE vorbereitet und einen Moderatoren hinzugezogen: „ Für mich sind die Auseinandersetzungen um die Braunkohle Ausdruck eines gesellschaftlichen Konfliktes, der auf der bisher gewählten Gesprächsebene zwischen den Delegierten des Bündnis Friedensplan und des Energiekonzerns RWE nicht zu lösen ist.“

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