Freier Eintritt zum Museum

Im Koalitionsvertrag hatte die AmpelPlus auf unseren Vorschlag hin den kostenlosen Zugang zum Leopold Hoesch Museum vereinbart. Unser Antrag wird nun konkret behandelt. Wir wollen freien Eintritt für junge Leute, denn es geht derzeit kaum jemand ins Museum. Da die Kosten sich nicht ändern, wollen wir versuchen, mehr Besucher zu locken, die so ein wichtiges Kulturangebot kennenlernen können.  Die Dürener Nachrichten berichten darüber am 1.1. so:

Wenn es nach der „Ampel“-Koalition im Dürener Stadtrat geht, wird der Eintritt im Hoesch- und Papiermuseum für Besucher bis 21 Jahre bald kostenlos sein. Zudem sollen auch Bezieher von staatlichen Leistungen nichts mehr bezahlen müssen.

SPD, Grüne, Linke und FDP begründen ihren Antrag, der heute im Kulturausschuss beraten wird, damit, dass die Stadt jungen Menschen den Zugang zur Bildung ermöglichen soll, unabhängig von deren finanziellen Möglichkeiten. Zudem soll ein höheres Interesse an den Museen bewirkt werden. Derzeit stagniere die Einnahmesituation der Häuser auf niedrigem Niveau. Jährlich finden lediglich 3000 Besucher den Weg ins Museum, also etwa neun zahlende Gäste am Tag. Dies entspreche einer Einnahme von 18 000 Euro im Jahr.

Mit dem Vorschlag der „Ampel“ werde sich die Einnahmesituation der Museen „natürlich nicht ändern“, heißt es in dem Antrag, sie verschlechtere sich aber auch nicht. Wenn aber das Interesse von Kindern und Jugendlichen mehr geweckt würde, könnte sich die Einnahmesituation langfristig verbessern. Mit der neuen Regelung hätten auch alle Schulklassen freien Eintritt.

 

Nachtrag am 2.2.2017:

Die Dürener Nachrichten berichten: Politik begrüßt freien Eintritt ins Museum

Düren. „Ampel“-Koalition und CDU sind sich einig, dass es künftig im Hoesch- und Papiermuseum freien Eintritt für Besucher unter 21 und für Hartz IV- sowie Wohngeldempfänger geben soll. SPD, Grüne, Linke und FDP haben den Vorschlag gemacht. Bürgermeister Paul Larue und Museumschefin Dr. Renate Goldmann zeigen sich aber skeptisch, ob damit tatsächlich mehr Besucher zu holen sind. 2015 kamen 2609 zahlende Besucher ins Museum, Schulklassen haben schon jetzt freien Eintritt. Museumspädagogin Jeannine Bruno sagte, es sei illusorisch zu glauben, dass mehr Jugendliche bei freiem Eintritt ins Museum kämen. Der Eintritt liegt derzeit bei sechs Euro für Erwachsene. Renate Goldmann brachte einen komplett freien Tag ins Spiel, für alle oder nur für Dürener. Die Verwaltung will nun Vorschläge bewerten und der Politik vorstellen.

Der Kommentar dazu:

Wenn die „Ampel“-Koalition den Antrag stellt, jungen Menschen bis 21 Jahren im Hoesch- und Papiermuseum freien Eintritt zu gewähren und darüber im Kulturausschuss engagiert debattiert wird, ist das eine Art Stellvertreter-Diskussion. Eigentlich geht es um die Frage: Wie können mehr Menschen in die beiden Dürener Museen gelockt werden? Die Frage stellt sich nicht nur in Düren, sie stellt sich auch in vielen anderen Städten Deutschlands.
Die Besucherzahlen bewegen sich für das Hoesch-Museum seit langem auf erschreckend niedrigem Niveau: 2015 waren es 2609, das entspricht 7 zahlenden Gästen am Tag. Sieben. Alles in allem sind ins Hoesch- und Papiermuseum in den vergangenen Jahren zehn Millionen Euro investiert worden, ein Teil davon aus Stiftungen und Spenden der Industrie (im Falle des Papiermuseums, das derzeit um- und ausgebaut wird). Mit sechsstelligen Beträgen werden beide Häuser jedes Jahr von der Stadt finanziert.
Ist das gerechtfertigt bei diesen Besucherzahlen? Speziell das Hoesch-Museum wird immer wieder in den höchsten Tönen gelobt. Wenn es in der Vergangenheit darum ging, das Museum mit noch mehr Geld auszustatten, haben Dürens Politiker meist ohne Diskussion zugestimmt. Nur ab und an wird Kritik laut – hinter vorgehaltener Hand, man will wohl nicht als Kulturbanause gebrandmarkt werden, weil Kritikern zumindest unterschwellig gerne mit auf den Weg gegeben wird, sie seien nicht in der Lage, den hohen Wert des Museums zu erkennen.
Warum gab es bisher keine Diskussion über die Ursachen des Besuchermangels? Sich hinzustellen und das Haus nach Basta-Manier des früheren Kanzlers Schröder hoch zu loben, greift zu kurz. Die Angebote werden nicht angenommen. Das dürfte unstrittig sein. Was sind die Gründe?
Diese Frage ist an weitere geknüpft: Welche Erwartungen haben die Besucher? Wie müsste ein Angebot in den beiden Museen aussehen, damit mehr Menschen kommen? Wird das Museum als zu elitär wahrgenommen? Das ist häufiger zu hören, auch hinter vorgehaltener Hand.
Wichtig auch: Welchen Anspruch stellt das Hoesch-Museum an sich selbst? Wahrscheinlich würden populäre Ausstellungen bekannter Künstler, wenigstens ab und an angeboten, deutlich mehr Resonanz nach sich ziehen. Aber ist das erwünscht? Mancher Kunstexperte rümpft schon beim Begriff populär die Nase. Nebenbei: Ist es nicht schon für sich alleine Kunst, viele Menschen zu interessieren?
Wäre es angezeigt, mehr regionale Kunst zu zeigen, allein schon, um eine Verbundenheit mit der Heimat zu dokumentieren? Wäre beides einen Versuch wert, allein schon, um die öffentlichen Zuschüsse zu rechtfertigen? Es ist in der heutigen Zeit, in der Interesse an Kunst nicht leicht zu wecken ist, für die Dürener Museen nicht einfach, die Zahlen zu verbessern. Aber nun scheint eine Diskussion angestoßen zu sein, immerhin. Das ist ein Anfang. Die Kunst ist, jetzt Lösungen zu finden.

i.latotzki@zeitungsverlag-aachen.de