Rede über Windenenergieanlagen in Kreuzau

Am 26.6. gab es im Kreuzauer Rat eine Abstimmung für die geplanten Windenergieanlagen. Diese werden in Kreuzau kontrovers diskutiert, weswegen sehr viele Besucher im Rat anwesend waren. In einer Rede brachte unsere Fraktionsvorsitzende Astrid Hohn die Meinung der Fraktion deutlich zum Ausdruck. Hier die Rede in einer leicht überarbeiteten Fassung:

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Eßer!
Meine sehr verehrten Damen und Herren des Rates!
Sehr geehrte Gäste!

Die Reduktion der CO2-Emmissionen ist absolut erforderlich, um das Ökosystem zu retten. Und der Blick auf das gesamte Ökosystem entspricht einer Sichtweise, die weit über den eigenen Tellerrand hinausgeht. Und genau das ist hier erforderlich. Das bedeutet, dass ein schnellerer Ausstieg aus der Kohle unbedingt notwendig ist (Kohleatlas: Daten und Fakten) Von der Gefahr, die von Atomkraftwerken ausgeht, ganz zu schweigen. Der Anteil an hohen Windrädern (über 160 m Gesamthöhe) liegt in NRW bei 40 %; bundesweit sind es aber 60 %. NRW bleibt also deutlich hinter dem zurück, was es rein rechnerisch zur Energiewende beitragen könnte.

Mir ist Folgendes wichtig zu sagen:
Während ich meine Rede vorbereitet habe, merkte ich, dass ich Probleme damit hatte, die richtige Bezeichnung für die derzeit widerstreitenden Gruppen zu wählen. Da gibt es die Protestierenden, die für sich in Anspruch nehmen, die Guten zu sein, und den Befürwortern der derzeit geplanten Windenergie in Kreuzau menschenverachtendes und kriminelles Handeln vorwerfen. Das sind dann wohl die Bösen – der Großteil der Politik hier. Die Gegner tragen vor, grundsätzlich für Windenergie zu sein, aber nicht hier. Man nennt sie auch gerne NIMBYs, eine Abkürzung der englischen Worte „Not in my backyard“.
Aber ich möchte mich an dieser Aufteilung in gut und böse nicht beteiligen, denn ich finde, uns alle eint etwas, nämlich die Sorge um unsere Umwelt.
Allerdings gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, welchen Preis man dafür zu zahlen bereit ist.
Die einen wollen die Tierarten schützen und sind dafür bereit, den Klimawandel in Kauf zu nehmen, die anderen wollen den Klimawandel bremsen und sind dafür bereit, negative Auswirkungen auf die Natur in Kauf zu nehmen. – Beides sind ehrenwerte Ziele, beide jedoch haben leider zweifelhaften Folgen.

Zu dem Vorwurf der persönlichen Vorteilnahme: Ich persönlich weise weit von mir, dass wirtschaftliche Interessen bei der Unterstützung von Windenergie eine Rolle spielen! Wir von B90/Die Grünen sind einzig und allein aus ökologischen und klimaschutzpolitischen Beweggründen für den forcierten Ausbau der Windenergie.

Und nun Kurz zum Thema Infraschall:
Jeder Heizlüfter, jede Waschmaschine erzeugt mehr Infraschall als ein WEA. Es ist einfach nicht in Ordnung, Menschen mit etwas zu verunsichern (Noceboeffekt), was nicht ausreichend bewiesen ist (Windturbinensyndrom). Das Bayerische Landesamt für Umwelt und das für Gesundheit kamen im Nov. 2014 zu folgendem Schluss: „Da die von WEAs erzeugten Infraschallpegel deutlich unterhalb der Wahrnehmungsgrenzen des Menschen liegen, können nach heutigem Stand der Wissenschaft Windenergieanlagen beim Menschen keine schädlichen Infraschallwirkungen hervorrufen.“ – Nur damit Sie sehen, dass man dieselbe Sache auch ganz anders darstellen kann, als sie es tun (Daten und Fakten zum Thema Infraschall und WEA hier und hier).

Und eins ist bewiesen: Aus den Schloten von Kohlekraftwerken kommen tonnenweise Feinstaub, hochgiftiges Quecksilber und neben anderen brisanten Stoffen das Treibhausgas Kohlenstoffdioxid. Das, meine sehr verehrten Damen und Herren, das ist ein Problem für die Gesundheit von Mensch und Tier!!! Das gilt es unbedingt abzustellen!!

Den Vorwurf, zukünftig für die Schädigung der Gesundheit mitverantwortlich zu sein, weise ich entschieden zurück. Ich halte einen solch aggressiven Vorwurf der Gegner für verwerflich und will mich an einem solch aggressiven Verhalten eigentlich nicht beteiligen. Wohl aber könnte ich diesen ungeheuerlichen Vorwurf zurückgeben, denn jede Entscheidung, die uns vom Stilllegen von Braunkohletagebauen und Atomenergieanlagen entfernt, bringt alles das, was die NIMBYs so gerne schützen wollen, in Gefahr: Tiere und Menschen hier in Thum, Nideggen, Muldenau etc.

Wir von B90/Die Grünen vergessen jedenfalls nicht, dass es uns letztendlich um dieselben Ziele geht, aber wir nehmen für uns in Anspruch, über den lokalen Tellerrand hinauszuschauen. Und deshalb stimmen wir von B90/Die Grünen für die notwendigen Schritte hin zur Installation von Windenergieanlagen.

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