Aktuelles Helm-Urteil gibt falsches Signal

Selber-Schuld? Unfallvermeidung muss im Vordergrund stehen!

Wie die Medien berichten, laufen Gegner einer Helmpflicht für Radfahrer derzeit  Sturm gegen ein Urteil des Schleswiger Oberlandesgerichts, das die Pflicht indirekt fordert. Die Richter hatten einer ohne Kopfschutz fahrenden Frau, die durch das unachtsame Öffnen einer Autotür zu Fall gebracht und schwer am Kopf verletzt worden war, eine Teilschuld zugewiesen.

„Das ist nicht in Ordnung und darf auch nicht so stehen bleiben“, sagte Ulrich Syberg, der Bundesvorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Das Urteil wälze eine Teilschuld auf eine schwächere Verkehrsteilnehmerin ab, obwohl diese sich nicht falsch verhalten habe. Die verletzte Radlerin sei ADFC-Mitglied geworden. Ihr neuer Club werde sie nun dabei unterstützen, das Urteil durch eine Revision beim Bundesgerichtshof aufheben zu lassen. Die Schleswiger Richter hatten einen Mitschuldensanteil von 20 Prozent festgelegt, weil die Radfahrerin keinen Helm getragen und damit Schutzmaßnahmen unterlassen habe, obwohl „ein verständiger Mensch zur Vermeidung eigenen Schadens beim Radfahren einen Helm tragen wird“, wie die Richter begründeten.

Der Verkehrsclub Deutschland schreibt dazu: “Für die Radverkehrssicherheit sendet das Urteil ein verkehrtes Signal, denn die Unfallursache tritt in den Hintergrund“. Die verletzte Radlerin, bei der es im Prozess ging, hätte den Unfall, an dem sie nun eine Mitschuld tragen soll, nicht verhindern können − ob mit oder ohne Helm. Durch dieses Urteil besteht die Gefahr, dass in der öffentlichen Diskussion die Reduzierung der Unfallfolgen über wichtige Maßnahmen der Unfallvermeidung gestellt wird.

Georg Schmitz, der verkehrspolitischer Sprecher der Dürener Grünen und zugleich Vorstandsmitglied des VCD – Kreisverbandes ist, hat ebenfalls kein Verständnis für das Urteil.

„Wir sollten auf eine Gesellschaft hinarbeiten, in der wir uns sicher und geschützt fühlen, statt uns gegen jede irgend mögliche Gefahr abzusichern und schützen zu müssen, weil wir sonst selbst schuld sind, wenn uns etwas zustößt. Das Urteil lenkt von der wichtigen Frage ab, wo die Ursachen für Fahrradunfälle liegen. Im innerstädtischen Bereich sind dies vor allem falsches Abbiegen und hohe Geschwindigkeiten. Ebenso unbeachtet bleibt die Tatsache, dass kein einziger Unfall durch das Tragen eines Helms verhindert werden kann.“

„Wem die Sicherheit von Radlern am Herzen liegt, unterstützt solche Maßnahmen, die Unfälle gar nicht erst entstehen lassen, wie zum Beispiel Tempo 30 als Basisgeschwindigkeit innerorts. Bei geringeren Geschwindigkeiten lässt sich besser wahrnehmen, was im Verkehrsraum passiert und der Anhalteweg verkürzt sich gegenüber Tempo 50 von gut 27 Meter auf 13 Meter.” Bei Unfällen mit Radfahrenden, ist wiederum sehr oft die Infrastruktur mit entscheidend. Beispiel Abbiegeunfälle: Nur wenn der Radverkehr im Kreuzungsbereich gut sichtbar geführt wird, ist er auch im Blick der Autofahrenden.

Die Einführung einer gesetzlichen Helmpflicht ist gegenüber den Maßnahmen zur Unfallvermeidung absolut unverhältnismäßig. Ihr Nutzen ist nur in einem geringen Teil der Unfälle nachweisbar. Dass Radfahren auch ohne Helmpflicht sicherer sein kann, belegen die niedrigen Unfallzahlen in Dänemark und Holland oder auch im niedersächsischen Oldenburg. Gute Rahmenbedingungen für den Radverkehr in Oldenburg sorgen dafür, dass 40 Prozent aller Wege mit dem Rad absolviert werden, und dabei verunglücken Radfahrer, bezogen auf den Gesamtverkehr, weniger oft als andere Verkehrsteilnehmer. Der VCD fordert deshalb, die Diskussion auf die Unfallursachen zu konzentrieren und der Selbst-Schuld-Mentalität keinen Raum zu geben.

Anmerkung zum Bild: Wer sich richtig verhält, kann nicht schuld sein, nur weil er ohne Helm fährt. Oder wollen wir eine Helmpflicht auch für Fußgänger?

Sprecher OV Düren

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