Landesregierung zur Zukunft der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang

„Für die Zukunft der Ordensburg Vogelsang im Nationalpark Eifel besteht
mit den heute gefassten Beschlüssen der Landesregierung eine sensible,
seriöse und solide Grundlage für die weitere Nutzung der Anlage.“ Das
erklärte Wirtschaftsministerin Christa Thoben heute (18. Dezember
2007), nach der zweiten Leitentscheidung der nordrhein-westfälischen
Landesregierung zur Zukunft der ehemaligen NS-Ordensburg Vogelsang in
der Eifel.

„Dabei handelt es sich um eines der historisch anspruchsvollsten
Konversionsprojekte in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
Wir wollen eine touristisch bedeutsame Zukunft für die Anlage, ohne die
furchtbare Vergangenheit zu leugnen. Der Standort Vogelsang hat
aufgrund seiner Lage im Herzen Westeuropas alle Chancen, sich zu einem
touristischen Ankerpunkt zu entwickeln, der nicht nur für Gäste aus
Deutschland sondern auch aus den Benelux-Ländern und Nordfrankreich
attraktiv ist“, so die Ministerin.

Die Leitentscheidung der Landesregierung macht den Weg frei für den
Abschluss einer Rahmenvereinbarung zwischen dem Bund, dem Land
Nordrhein-Westfalen und der Region mit den Kreisen Euskirchen, Düren,
Aachen, der Stadt Schleiden sowie dem Landschaftsverband Rheinland. Die
Vereinbarung soll Anfang 2008 von den Beteiligten unterzeichnet werden.

Für die Realisierung des Vorhabens stellen der Bund zehn Millionen
Euro, das Land und die EU insgesamt 17 Millionen Euro für die erste
Entwicklungsstufe Vogelsang zur Verfügung. Der Eigenanteil der Region
beträgt zehn Prozent. Für die Umsetzung aller Projekte dieses ersten
Abschnitts ist der Zeitraum von 2008 bis 2012 vorgesehen.

Grundlage für die zweite Leitentscheidung ist weiter die
Bereitschaft des Bundes, die Grundstücke „Adlerhof“ und „Redoute“
unentgeltlich noch im Jahre 2008 an die Region zu übertragen. Für die
zukünftige Nutzung sind folgende Kernelemente vorgesehen:

• Nationalparkzentrum

• Informations- und Bildungszentrum/Gastronomie

• Eine regionalgeschichtliche Ausstellung

• Ein Dokumentationszentrum NS und Nachkriegsgeschichte

• Die Nationalparkverwaltung wird auf dem Gelände untergebracht.

• Schließlich entsteht auf Vogelsang eine Jugendherberge mit
integriertem Gästehaus und Jugendwaldheim. Der deutsche
Jugendherbergsverband, Landesverband Rheinland, hat sich bereiterklärt,
die Trägerschaft zu übernehmen. Damit entsteht ein attraktives Angebot
für junge Familien mit Kindern, die den Nationalpark Eifel „erwandern“
wollen.

Vorbereitet wurden die zweite Leitentscheidung der Landesregierung
und die Rahmenvereinbarung mit Bund und Region in monatelangen
Verhandlungen zwischen allen Beteiligten unter Leitung des
Staatssekretärs im nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministerium, Dr.
Jens Baganz.

Die ehemalige „NS-Ordensburg“ steht seit dem 1. Januar 2006
Besuchern offen. Bis dahin war sie Bestandteil des nichtzugänglichen
Truppenübungsplatzes „Camp Vogelsang“. Seit der Öffnung wurden mehr als
300.000 Besucher der Anlage gezählt.

Erbaut wurde der Komplex 1934 als eine von vielen
Schulungseinrichtungen der NSDAP durch die sog. „Deutsche
Arbeitsfront“. Hier sollten „Führungskräfte“ des Naziregimes auf ihre
zukünftigen Aufgaben in Staat und Partei im Geiste der
menschenverachtenden NS-Ideologie eingeschworen werden, Ziel war die
Erziehung eines „neuen Menschen“.

Die 100 Hektar große Anlage liegt im Nationalpark Eifel, der nach
entsprechenden Entscheidungen des Landtags und der Landesregierung am
1. Januar 2004 eröffnet wurde. Die Ordensburg Vogelsang steht seit 1989
unter Denkmalschutz. Nach der nicht unumstrittenen Auffassung der
Denkmalschützer stellt sie ein bedeutendes Beispiel
nationalsozialistischer Architektur dar.

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